Wie wir einen Morgen halten.
Unsere Pädagogik ist einfach, aber nicht simpel: draussen sein, langsam sein, ehrlich mit Risiko umgehen — und darauf vertrauen, dass Kinder mit Zeit selbst lernen, was sie brauchen.
Der Wald ist die Lehrerin.
Wir bringen keine Stundenpläne in den Wald. Der Wald liefert den Lehrplan: ein gefallener Baum, eine Schnecke, ein plötzlicher Regen. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit den Kindern wahrzunehmen — und dann zurückzutreten.
Langsam ist die Methode.
Ein Wurm hat in unserem Morgen genauso viel zu tun wie ein Lied. Wir weigern uns, das Staunen zu beschleunigen. Der gleiche Rhythmus jeden Morgen gibt den Kindern die Sicherheit, in ihm langsam zu werden.
Risiko, nicht Gefahr.
Auf den Stamm zu klettern ist Risiko. Ein loser Ast über dem Stamm ist Gefahr. Dem ersten begegnen die Kinder selbst; das zweite entfernen wir, bevor sie ankommen. Der Unterschied ist wichtig.
Das Kind ist kompetent.
Wir gehen davon aus, dass Kinder können. Sich selbst Wasser einschenken. Den eigenen Knoten knüpfen. Den eigenen Streit schlichten — zumindest meistens. Erwachsene greifen mit Absicht ein, nicht aus Reflex.
Sicher heisst nicht ohne Risiko.
Es heisst erfahrene Hände, sorgfältige Vorbereitung und klare Abläufe. Hier steht, was wir tatsächlich tun, in einfacher Sprache.
Betreuungsschlüssel
Eine Pädagogin auf vier Kinder, jeden Morgen, ohne Ausnahme. Immer zwei Erwachsene anwesend — auch an einem ruhigen Dienstag.
Erste Hilfe
Jede Pädagogin trägt ein Outdoor-Erste-Hilfe-Set bei sich und wird jährlich rezertifiziert. Unsere leitende Pädagogin ist Wilderness First Responder.
Wetter
Wir gehen bei Regen hinaus. Wir gehen nicht bei Gewitter, bei Temperaturen unter −10 °C oder bei Wind über 60 km/h. Für solche Tage haben wir einen beheizten Innenraum.
Feuer
Die Kinder sitzen im Stumpfkreis, einen Armlängen-Abstand vom Feuer. Eine erwachsene Person hütet es. Das Feuer wird mit einem Streichholz entzündet, nie mit Brandbeschleuniger. Wasser steht bereit.
Hygiene
Händewaschen vor dem Znüni. Eine Komposttoilette vor Ort. Die Pädagoginnen wechseln sich wöchentlich beim Vorbereiten des Znünis ab, alle mit Lebensmittelhygiene-Zertifikat.
Wenn ein Kind sich verletzt
Eine Pädagogin bleibt beim Kind. Eine ruft die Eltern an und, wenn nötig, den Notdienst. Der gesamte Vorfall wird am gleichen Tag schriftlich dokumentiert.
Wir stehen auf stillen Schultern.
Unsere Praxis schöpft aus drei lebendigen Traditionen, verwoben durch zwanzig Jahre Morgen im Wald.
- Reggio EmiliaDas Bild vom kompetenten Kind · Dokumentation als Gespräch
- Die Forest-School-BewegungSkandinavische und britische Tradition · Skogsmulle, Forest School Association
- Schweizer Waldkindergarten-TraditionWaKi-Verein Schweiz · Richtlinien Bildungsdirektion Kanton Zürich